Hörsysteme für alle – trotz Gesundheitsreform?

Was bedeuten die neuen Regelungen für den Einzelnen?

(fgh) Die Gesundheitsreform wurde ebenso häufig wie heftig diskutiert, dennoch wissen die meisten nicht genau, welche Änderungen damit konkret verbunden sind. Die Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) macht darauf aufmerksam, dass jetzt ein Referentenentwurf zur Diskussion gestellt wurde, der, wenn er so verwirklicht würde, auch schwerwiegende Veränderungen für die Branche der Hörgeräte-Akustiker brächte.

Die derzeitige Festbetragsregelung garantierte bislang eine wohnortnahe und preisgünstige Versorgung – für alle. Doch nun plant der Gesetzgeber Ausschreibungen im Bereich der Heil- und Hilfsmittelversorgung. Das heißt, dass nach einer Interimsphase von zwei Jahren ab Januar 2009 nur noch jene Betriebe eine Zulassung für die Patientenversorgung haben, die mit den Krankenkassen einen Vertrag abschließen.

Doch was bedeutet eine solche sogenannte K.O.-Ausschreibung für die Kunden und was für die Hörgeräte-Akustiker? Menschen mit Hörproblemen hätten dann nicht mehr die Möglichkeit, frei zu wählen, sondern die Krankenkasse würde ihnen einen Leistungserbringer zuweisen. Der Versicherte kann also nicht mehr selbst entscheiden, an wen er sich mit seinen Hörproblemen wendet. Dies scheint um so bedenklicher, wenn man berücksichtigt, dass viele Menschen sowieso schon eine gewisse Hemmschwelle 
überwinden, wenn sie vor anderen zugeben müssen, dass sie schlecht hören. Aber auch eine wohnortnahe Versorgung ist nach diesem Modell nicht mehr garantiert. Bei einem Klientel, welches überwiegend aus älteren, mitunter nicht mehr mobilen, Menschen besteht, ein Problem.

Gerade bei der Versorgung mit Hörgeräten steht und fällt der Erfolg mit der Qualität der Dienstleistung. Wenn knallharte Kalkulationen nur noch ein Mindestmaß an Zeit lassen für die oft sehr anspruchsvolle Anpassung von Hörgeräten, leiden nicht nur die Hörgeräte-Akustiker, sondern vor allem auch die Kunden. Wenn sorgfältige und kundenorientierte Arbeit bei K.O.-Ausschreibungen keine Chance hat, wird die Qualität der Anpassung darunter leiden. Im schlimmsten Fall werden schlecht informierte Kunden schlecht sitzende Hörsysteme tragen.

Auch der Anreiz für Innovationen fehlt völlig, wenn nur noch der Preis des Versorgungsangebots relevant ist. Denn Neuentwicklungen verursachen Kosten. Wenn aber niemand mehr bereit ist, dafür zu zahlen, sehen wir heute schon in den Regalen, wie auch die Hörsysteme in Zukunft aussehen. Denn Fortschritte wird es nach dieser Gesetzesnovellierung nicht mehr geben – zum Nachteil der Betroffenen, denen jede Weiterentwicklung von Hilfsmitteln zu Gute kommen würde.

Die Gesundheitshandwerke – getragen von vielen kleinen und mittelständischen Betrieben – sichern derzeit rund 160.000 qualifizierte Arbeitplätze; 18.000 Jugendliche finden hier einen Ausbildungsplatz. Die immer wieder propagierte Mittelstandsförderung wird bei diesem Gesetzesvorschlag völlig außer Acht gelassen. Auf Seiten der Akustiker werden nach einiger Zeit nur noch wenige Großanbieter bleiben, die den Markt beherrschen. Und solche Entwicklungen führen mittel- und langfristig nicht zu mehr, sondern zu weniger Wettbewerb – zu Lasten aller.

Die Fördergemeinschaft Gutes Hören hält die derzeitige Vielfalt der Anbieter für erhaltenswert. Dieser Wettbewerb bietet den Kunden ein Höchstmaß an Auswahl und Qualität. Um die Qualität der Hörgeräteversorgung im Sinne der Kunden sicher zu stellen, setzt sich die Fördergemeinschaft seit zwei Jahren für eine „10-Punkte-Checkliste“ ein. Diese Liste nennt die wesentlichen Aspekte einer hochwertigen Hörgeräte-Versorgung, auf die niemand verzichten sollte. Hörgeräte sind „Hilfsmittel“, aber durch die individuelle Anpassung des Hörgeräte-Akustikers wird gutes Hören daraus.

Die Broschüre „10 Punkte für eine Hörgeräteversorgung mit Qualität“ finden Sie im Internet unter der Adresse www.fgh-gutes-hoeren.de unter „Service“. Sie können sie auch gegen Einsendung eines mit 1,45 Euro frankierten und adressierten Din-A5-Rückumschlags anfordern bei der FGH, Stichwort:10-Punkte-Broschüre, Schuhmarkt 4, 35037 Marburg.